Musik

Dialektmusik

Nach einer zwanzigjährigen Versuchsreihe, mit englischsprachigem Songwriting erfolgreich zu sein, streifte mich Anfang 1998 plötzlich der Erkenntnisblitz, dass die eigenen Gefühle, die eigene Wahrnehmung und eigene Erlebnisse in der Muttersprache wesentlich leichter darzustellen sind. Ich dachte dabei weniger an das Hochdeutsche, sondern an den Tiroler Dialekt.

Sprechen Sie Tirolerisch?

Dieser ist in der Gegend um Innsbruck ziemlich hart, doch empfand ich es als besonderen künstlerischen Ansporn, diese "Halskrankheit" lyrisch und musikalisch umzusetzen. Als "Zuagroasta" war es für mich eine zusätzliche Herausforderung, mir eine möglichst authentische Aussprache und darüber hinaus auch einen möglichst originären und umfangreichen Sprachschatz des "Innschpruggerischen" anzueignen, wobei ich zu Beginn in fast akademischer Besessenheit alles sammelte, was mir unterkam.

Das Ergebnis waren eine Anzahl eigener und auch (sehr frei) übersetzter Lieder in einer speziellen, etwas eigentümlich anmutenden Mittelinntaler Mundart, die nur ich beherrsche, die jedoch von allen Tirolern und Tirolerinnen ganz gut verstanden wird. Nur gute, geübte Ohren hören und erkennen diverse "Dialektsünden", etwa die gelegentliche Verwendung unterinntalerischer bzw. ostösterreichischer Vokabeln (aus Gründen des Endreimes) oder die alemannische Aussprache mancher Vokale.

Letzteres war jedoch nicht der Grund, warum die ersten Reaktionen lauteten: "Da muaß der Bluatschink her!" oder "Bluatschink auf rockig!". Ich schätze zwar die Jungs von Bluatschink, doch musste ich erkennen, dass diese sehr einseitige Assoziation zu "Tiroler Dialektmusik" daher rührt, dass es eben kaum vergleichbares gibt.

Wenn, dann bleiben diesbezügliche Phänomene auf einzelne Talschaften ("Ciela") beschränkt, oder der Dialekt mutiert zu einer Pseudo-Mundart und die Musik zum volkstümlichen Schlager, der sich dann auf diesem Markt besser verkaufen lässt.

Im alemannischen Sprachraum ist die Synthese von Dialekt mit Rockmusik schon längst vollzogen. Auch bayerische, wienerische oder steirische Popmusiker/innen müssen sich bei der Verwendung ihres Dialekts nicht rechtfertigen. Und der Gruppe BAP war es immer scheißegal, ob ihr Kölsch außerhalb des mittleren Rheingebiets auch verstanden wurde (es soll sogar Tiroler geben, die mit Leidenschaft BAP interpretieren!).

Nur in Tirol fehlt eine diesbezügliche Tradition, fehlt dadurch das Selbstbewusstsein der heimischen Musiker und Musikerinnen. Ich selbst berufe mich als DIETZ übrigens gerne auf die "Innsbrucker Parodistln", deren große Zeit vor etwa 40 Jahren stattfand.

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